Honduras: Combrifol – eine Kooperative der Herzen

Handelspartner des direkten und fairen Handels sind in den Anbauländern zum großen Teil die Kooperativen. Hier schließen sich Kleinbauern zusammen – nicht nur um ihre Interessen gegenüber den Einkäufern besser zu vertreten, sondern auch, um einen gemeinsamen Gerätepark anzulegen oder in größeren Mengen Dünger zu fermentieren, um sich gemeinsam fortzubilden und um ein soziales Netz für Notfälle aufzubauen.

Die Kooperative Combrifol entstand 2007 in Marcala aus einem Kirchenprojekt heraus. Das Ziel damals schon: „Mehr Gerechtigkeit in EINER gemeinsamen Welt!“ Seit 2012 verkauft Combrifol den Kaffee einer verhältnismäßig kleinen Anzahl von Einzelproduzenten. Derzeit von 23 Frauen und 51 Männern.

Combrifol liegt viel an der Stärkung junger Familien. Nicht nur, dass sie Frauen ermuntern, sich in betriebswirtschaftliche Bereiche aktiv einzubringen, großen Wert wird auf die Aus- und Weiterbildung der Kinder und Jugendlichen gelegt. Zweimal im Jahr verteilt die Kooperative  Schulgeld (Sholarships): 1500 Lempira (ca. 50 Euro) für Schulanfänger, 3000 Lempira (ca. 100 Euro) für High School und Universität. In der ländlichen Region reicht das Geld für die jüngeren Schüler aus, die Highschool in Marcala ist jedoch teurer. Dafür sparen die Familien über die Jahre Geld an. Eine Ausbildung, das wissen sie, schützt ihre Kinder vor Armut.

Die Kooperative Combrifol besteht im Kern aus 3 Personen: Eduardo Caceres (Gesamtleiter), Jorge Rivas (Technischer Leiter) und Armida Nikolas (Verwaltung). Die drei kennen all ihre Mitglieder persönlich, zu vielen besteht ein freundschaftliches Verhältnis.
Am Ortsrand von Marcala befinden sich die Verarbeitungsmaschinen (Entpulper, Sortiermaschinen) und die Trocknungszelte.
Seit wenigen Jahren bauen einige Mitglieder von Combrifol verstärkt die Varietät Marsellesa an. Sie ist bislang noch selten in Honduras, in den tieferen Regionen von Nicaragua findet man sie oft.

Die Sorte weist eine erhöhte Resistenz gegenüber dem gefürchteten Kaffeerost Roya auf, der den Kaffee in tieferen Lagen häufig befällt. Nach den Jahren 2011 und 2012, in denen der Kaffeerost in Mittelamerika einen Großteil der Ernten vernichtet hat,  wurde in Honduras vorwiegend Arabica/Catimore angebaut. Doch diese Sorte – stellt man nun fest - wird mit den Jahren immer anfälliger gegenüber Roya. Hinzu kommt, dass im Zuge der Klimaerwärmung auch höhere Anbauregionen vom Kaffeerost befallen werden. Die Varietät Marsellesa trägt viel Hoffnung – auf ihren zarten Blättern….

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Lorenza Nikolas – Eine Frau voller Tatkraft und Optimismus!

Lorenza Nikolas baut in den Bergen nahe Marcala/Honduras auf rund 1600 Metern Höhe Arabica-Kaffee der Varietät Marsellesa an.

Bis 2017 hat die 55jährige als Tagelöhnerin für größere Kaffeebauern gearbeitet. Dann bekam sie über die Kooperative Combrifol die Chance, eine eigene Parzelle zu bewirtschaften. Auf etwa 7000 qm baut sie heute mit großem Enthusiasmus Kaffee an. Sie ist glücklich darüber, endlich ihre eigene Chefin zu sein.

Im November 2020 verlor sie durch die beiden Hurricanes Eta und Iota und den darauffolgenden Sturzbächen ihr Haus. Es wurde von den Wassermassen in wenigen Minuten einen Hang hinuntergespült. Zum Glück ist niemandem etwas passiert. Ihre 5 erwachsenen Kinder halfen ihr daraufhin beim Bau eines neuen Holzhauses. Dort wohnt sie heute mit zwei ihrer Söhne, dem 18jährigen Lucio und dem 10jährigen Eric.

Irgendwie hat sie es in all den Jahren immer geschafft, ihre Kinder zur Schule zu schicken – darauf ist Lorenza sehr stolz. Durch den Verkauf ihres Kaffees über den direkten Handel erhält sie deutlich mehr Geld, als ihr Großkonzerne bieten würden. So konnte sie bereits Schulden und Kleinkredite zurückzahlen und blickt nun hoffnungsvoll in die Zukunft.

Für die nächsten Jahre plant sie eine Vergrößerung ihrer Parzelle und noch mehr (natürlichen) Boden- und Pflanzenschutz. So hat sie bereits Zacata Limon (Zitronengras) als Erosionsschutz und schnell wachsende Palmen als Wind- und Sonnenschutz für die „divahaften“ Arabica-Kaffeepflanzen gesetzt.

Bei unserem Besuch wurden wir von Lorenza mit großer Herzlichkeit empfangen. Durch die Entwicklung in den letzten drei Jahren, ist sie – trotz aller Rückschläge – der festen Überzeugung: „Das Leben hat es gut mit mir gemeint!“

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DSC_0312.jpgDie Brüder Romero – und ihr Versprechen an den Vater.

Die Finca Romero liegt nahe Marcala, im Western von Honduras, auf kühlen 2000 Metern Höhe. Die Anbauflächen der drei Brüder, die hier mit ihren Familien wohnen, befinden sich etwas tiefer: auf etwa 1800 Meter.

Die drei Brüder José de la Paz, José Atilio und José Manfredi haben die Kaffeeparzellen von ihrem Vater übernommen (zusammen rund 14 000 qm). Kurz vor seinem Tod rang er seinen 3 Söhnen das Versprechen ab, zeitlebens zusammenzuarbeiten und gemeinsam den Anbau des Kaffees voranzubringen. Und das tun sie.

Der Vater war Arzt im Krieg gegen El Salvador 1969 und floh in die Berge, nachdem er ein schlimmes Massaker mit ansehen musste. Dort, wo er sich damals versteckt hielt, baute er später seine Kaffeefarm.

Und er tat noch mehr für die Region: er gründete zusammen mit anderen Produzenten die Agrarkooperative Combrifol, die heute von Marcala aus die Interessen von rund 100 Familienbetrieben vertritt – als Ansprechpartner für Kaffee höchster Qualität.

Die drei Brüder bauen vor allem die Arabica-Sorte Catuai an. Gedüngt wird ausschließlich mit Naturdünger – Chemie kommt ihnen nicht auf die Felder. Die Pflanzen wachsen zwischen Pfirsich- und Zitrusbäumen heran. 36 eigene Bienenvölker sorgen für die Bestäubung und für eine herrlich fruchtige Note der Kaffeebohnen.

Der Honig – ganz nebenbei – beschert den drei jungen Familien auf den lokalen Märkten ein schönes Nebeneinkommen.

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DSC_0024.jpgJesus Garcia und Juan Alberto Chica – Es geht nur gemeinsam!

Die Brüder Jesus (31) und Juan (29) leben mit ihren Familien in Honduras - in der Gebirgsregion Nahuaterique, nahe der Grenze zu El Salvador. Dort bauen sie Arabica Kaffee der Sorten Pacamara, Pache und Lempira an.

Ihre Eltern waren einfache Bauern, die sich ausschließlich selbst versorgten und ab und zu Bäume in den Wäldern fällten, um etwas Holz nach Marcala zu verkaufen. Ihre Söhne konnten immerhin zur Schule gehen – das war vor 20 Jahren nicht der Normalfall.

Heute übernehmen Jesus und Juan Aufgaben in der Gemeinde, haben leitende Funktionen in den Bereichen Wasserversorgung und Infrastruktur.

Beide haben je zwei kleine Kinder, die Frau von Jesus, Sara, arbeitet im Kindergarten mit. Sie spielt, bastelt und gärtnert mit den Kindern.

Die Kommune Nahuaterique wächst Stück für Stück – das ist für eine ländliche Region eher ungewöhnlich. Mit Hilfe der Kaffee-Kooperative Combrifol konnte vergangenes Jahr ein Spielplatz mitten im Dorf gebaut werden – solche Treffpunkte sind für Eltern und Kinder, die oft auf entlegenen Höfen wohnen, ein wichtiger Ort, um sich auszutauschen, Probleme zu besprechen und um bei einem Notfall nachbarschaftliche Hilfe zu bekommen.

Der direkte Handel bezahlt den Produzenten höhere Preise – Geld, das die Kaffeebauern in Nahuaterique u.a. dafür nutzten, gemeinschaftlich zu investieren, z.B. in Trocknungszelte (für den Rohkaffee) und Arbeitsgeräte. Die gemeinsame Nutzung spart Geld, das an anderer Stelle dringend benötigt wird: beim Schulgeld, beim Kauf von Nutztieren für die Eigenversorgung oder für die Investition in ein gebrauchtes Laptop, z.B. für das Homeschooling in Corona-Zeiten.